Deutschland versinkt im Plastik-Müll

Rund 26 Millionen Tonnen an Plastikmüll produzieren die Europäer im Jahr. Nur knapp 30 Prozent davon werden wiederverwertet, der Rest landet in der Müllverbrennung, auf der Deponie – oder in der Natur.

37 Kilo Plastikmüll verursacht jeder Deutsche pro Jahr. So viel wie noch nie und das, obwohl wir – zumindest gefühlt – immer mehr auf die Umwelt achten.

Weil China die Grenzen für Altplastik dicht macht, muss das deutsche Recyclingsystem noch mehr Kunststoffabfall bewältigen. Es geht um gewaltige Mengen. Für Kunden wird es teuer.

Der Anteil der Wiederverwertung von Plastikmüll soll von 2019 an stufenweise auf 63 Prozent steigen. Doch schon jetzt weiß die Entsorgungsbranche kaum noch, wie sie der Plastikberge Herr werden soll. Denn seit Jahresbeginn hat China, bisher der größte Exportmarkt für Altkunststoff aus Deutschland und Europa, seine Grenzen weitgehend dichtgemacht.

Bedrohung der Meere

Fast täglich sehen wir heute Berichte über Plastik im Meer. Etwa 75 Prozent der bis zu 10 Millionen Tonnen Müll, die jährlich in die Meere gespült werden, besteht aus Kunststoffen. Nach Angaben des Umweltprogramms der vereinten Nationen (UNEP) treiben inzwischen auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche bis zu 18.000 Plastikteile unterschiedlichster Größe. Doch was wir sehen ist nur die Spitze des Eisbergs, mehr als 70 Prozent der Abfälle sinken auf den Meeresboden und bleiben unserem Auge verborgen. Plastik ist im Meer nahezu unvergänglich, nur langsam zersetzt es sich durch Salzwasser und Sonne und gibt nach und nach kleinere Bruchstücke an die Umgebung ab. Mikroplastik entsteht und reichert sich in der Nahrungskette an. An der Spitze der Nahrungskette stehen wir.

In Europa werden Jahr für Jahr Millionen Tonnen Plastik ganz selbstverständlich nach einmaligem Gebrauch weggeworfen. Plastiktüten, Plastikflaschen und auch Zigarettenkippen gehören zu den häufigsten Fundstücken am Strand. Zigarettenkippen enthalten soviel Gift, dass die Jahre benötigen, bis sie zersetzt worden sind.

Die NOAA (National Oceanic and Atmosphere Administration) hat eine Infografik über die geschätzten Abbauzeiten von häufigem Schwemmgut im weltweiten Meer erstellt.

5 Dinge, die Du sofort tun kannst,
um weniger Plastikmüll zu produzieren:

Einfach so komplett auf Plastik zu verzichten, das ist nicht leicht. Aber: Um weniger Plastikmüll zu verursachen, kannst Du zum Beispiel ab sofort folgendes tun:

  • Benutze zum Einkaufen Stoffbeutel statt Plastiktüten und packe auch Obst und Gemüse im Supermarkt nicht extra in kleine Plastiktüten ein. Gut zu wissen: Im normalen Supermarkt sind Bio-Obst und – Gemüse meist zusätzlich in Plastik eingepackt. Auf dem Wochenmarkt und im Bioladen bekommst du Bio-Ware ohne zusätzliche Plastikverpackung. Verzichte außerdem so oft es geht auf Fertiggerichte oder auch einzeln verpackte Süßigkeiten, da hier besonders viel Verpackungsmüll anfällt.
  • Achte beim Kauf von Textilien – also etwa bei Kleidung, Geschirrtüchern, Bettwäsche oder auch Putzlappen – darauf, dass sie aus nachhaltigen Naturfasern wie Baumwolle, Hanf oder Leinen bestehen. Setzt auch beim Kochen auf natürliche Materialien und verwende Kochlöffel und Schneidebretter aus Holz statt aus Plastik.
  • Vermeide Frischhaltefolie in deinem Haushalt und verpacke Lebensmittel stattdessen in wiederverwendbaren Dosen oder in Butterbrotpapier. Auch Schraubgläser (zum Beispiel von deiner Lieblingsmarmelade) lassen sich auswaschen und weiter verwenden.
  • Kaufe Kosmetik ohne Mikroplastik. Begriffe wie „Polyethylen“ (PE), „Polypropylen“ (PP), „Polyamid“ (PA) oder „Polyethylenterephthalat“ (PET) auf der Zutatenliste stehen zum Beispiel für Plastik. Gut zu wissen: Naturkosmetik enthält generell kein Plastik. Greift bei Seife & Co. außerdem zu Nachfüllpacks statt immer wieder einen neuen Spender zu kaufen oder kaufe Seife am besten direkt als Stück.
  • Trinke Wasser und andere Getränke nicht aus Plastikflaschen, sondern greift zu Glasflaschen. Besser noch, trinke Leitungswasser, gern aufgesprudelt. Für unterwegs kannst du dir eine Trinkflasche kaufen, die du zuhause immer wieder auffüllst. Kaffeefans legen sich zudem einen Mehrwegbecher für ihren Coffee to go zu. Auch Milch und Joghurt gibt es oft im Glas. Die Produkte sind eine gute Alternative zu den gängigen Tetra Paks und Plastikbechern.

EU nimmt Kampf gegen Plastikmüll auf 

Die EU nimmt den Kampf gegen die Verschmutzung unserer Meere mit Plastikmüll auf. Vize-Komissionspräsident Frans Timmermans („Wenn wir nicht die Art und Weise ändern, wie wir Kunststoffe herstellen und verwenden, wird 2050 in unseren Ozeanen mehr Plastik schwimmen als Fische“) stellte am 16.01.18 in Brüssel die EU-Plastikstrategie vor. Und die ist überraschend ehrgeizig: mehr lesen