„Pferde fördern Vielfalt“ wird Projekt
der UN-Dekade Biologische Vielfalt

Im direkten Umfeld von Pferden liegt ein besonderes Potenzial auch zur Förderung der biologischen Vielfalt. Denn Pferde brauchen Ställe, Heu und Stroh, Wiesen und Weiden – ideale Lebensräume für viele Arten. Damit Reiterhöfe und Pferdevereine dieses Potenzial noch besser nutzen, hat die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern das Projekt „Pferde fördern Vielfalt“ ins Leben gerufen. mehr lesen hier


Pferdehaltung

Pferde sind mit der Entwicklung menschlicher Kulturen so eng verflochten wie kaum ein anderes Tier. Seit Jahrtausenden dient das Pferd dem Menschen als Reit-, Last- und Zugtier.

  • In der Land- und Forstwirtschaft waren Pferde schon immer unverzichtbare Helfer.
  • Im traurigen Kriegseinsatz der letzten beiden Weltkriege starben über 2,5 Millionen Pferde elendlich.

Pferde wurden und werden auch noch heute benutzt, gebraucht aber auch missbraucht.

Menschen, die für ein Tier Verantwortung übernommen haben, müssen dieser Verantwortung auch gerecht werden. Das gelingt nicht immer.

Um Pferde artgerecht halten zu können, muss man die natürlichen Bedürfnisse dieser Tierart kennen. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich das Verhalten wildlebender Pferde ansehen. Neben verwilderten Pferden wie den Mustangs gibt es halbwild lebende Pferde, bei denen die Zuchttiere zwar frei leben, aber einen Besitzer haben. Zu den bekanntesten darunter zählen die Dülmener Wildpferde im Merfelder Bruch (Nordrhein-Westfalen), die Exmoor-Ponys (Cornwall), die Wildpferde der Giara di Gesturi (Sardinien) oder die Camargue-Pferde (Frankreich). In SH findet man Anfänge hier: http://geltinger-birk.de/koniks-und-highlands

  • Pferde sind Pflanzenfresser, die täglichbis zu 18 Stunden mit Fressen verbringen.
  • Pferde  sind  Herdentiere  und  haben  ein  ausgeprägtes  Bedürfnis, 
    mit  den  Artgenossen  ständig Sicht-, Hör-, Geruchs- und Körperkontakt zu haben. Pferde brauchen ihre Artgenossen auch zum Erhalt ihres seelischen Gleichgewichts.
  • Pferde    bilden    naturgemäß    so    genannte Hengstfamilien. Diese bestehen aus dem Leithengst, mehreren Stuten sowie deren Fohlen und älteren Jungtieren. (Wer kann diese natürliche Lebensart schon seinem Pferd bieten? Schauen sie deshalb meist traurig?)
  • Haltungssysteme sind nur dann tiergerecht, wenn sie dem natürlichen Verhalten einer Tierart Rechnung tragen. Beim Pferd gehört dazu:
    - ausreichende Bewegungsmöglichkeiten
    - Beschäftigung
    - Sozialkontakt zu Artgenossen
  •  Ständerhaltung  und  ganztägige  Boxenhaltung sind als keine tiergerechten Haltungsformen inzwischen schon teilweise verboten. Eigentlich sollten Pferdehalter(innen) auch zumindest ihr Pferd nicht quälen (Egoismus). Stellen Sie sich nur einmal vor, sie müssten die Plätze tauschen.
  • Zu  jeder  artgerechten  Pferdehaltung  gehört
    ein täglicher mehrstündiger Auslauf in der Gruppe!


Anforderungen des Tierschutzgesetzes.

§ 1
Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.

§ 2
Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,

  1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,
  2. darf die Möglichkeit desTieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,
  3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.

§ 3
Es ist verboten, einem Tier außer in Notfällen Leistungen abzuverlangen, denen es wegen seines Zustandes offensichtlich nicht gewachsen ist oder die offensichtlich seine Kräfte übersteigen.

Grünlandbewirtschaftung - Paradigmenwechsel

Foto: H. Bernotat


Die Vorgaben des Marktes führen in der Grünlandbestellung dazu, dass dort keine artenreichen Pflanzengesellschaften etabliert werden, sondern eine Auswahl weniger Leistungsgräser zum Einsatz kommt: Der Anteil von bis zu 60% Weidelgräsern, die z.T. tetraploide Hybridformen sind, ermöglicht bis zu sechs Ernten pro Jahr und bestimmt den Marktpreis für Heu.

Statt der Blumenwiese, die Lebensraum für viele Tiere sein könnte, generiert man Ackergraswüsten und zieht dort dennoch ein Bodenbrüter ein, wird diesen der erste Schnitt im Mai entfernen. Warum?

Die Standards der Grünlandbewirtschaftung werden durch die Milchwirtschaft gesetzt, deren Kühe eine Tagesmilchleistung von bis zu 60 Litern erbringen und hierzu hohe, für Pferde ungeeignete Gehalte im Grundfutter benötigen. Eine Kuh gibt nur Milch, wenn sie Mutter ist und man sollte meinen, dass 60 Liter ausreichen, das Baby (ca. 6 Liter/Tag) mit zu ernähren. Weit gefehlt, dennnach zwei Tagen, wenn ausreichend Kolostralmilch aufgenommen wurde, trennt man sie und füttert das Kalb mit u.a. Palmöl- und Sojaprodukten. Ölpalmen-, wie auch Soja- oder Zuckerrohrplantagen, sind aber dort, wo sie auf immer größeren Flächen angepflanzt werden, bedenkliche Eingriffe in Natur und das Leben der Bauern.

Regionale Landwirtschaft, die Lebensgrundlage vieler Menschen ist und deren Produkte maßgeblich zur Ernährung des Umlandes beitragen, wird verdrängt. Der Bauer mit Wissen und Erfahrung aus Generationen wird zum Tagelöhner. Wir reden hier noch nicht über den Einsatz von Glyphosat und gentechnisch verändertem Pflanzenmaterial, nicht über AMPA (Metabolit des Glyphosat) und Superunkräuter, nicht über Störung der Wasserkreisläufe, Eutrophierung der Gewässer, Nitratbelastung des Grundwassers, Brandrodungen im Urwald etc.

Aber nur mit weitestgehender Intensivierung, Massenproduktion und der Verwendung von Gentechnik, wird behauptet, könne man die steigende Weltbevölkerung ernähren. Stellt sich die Frage, wieso europaweit die Milchwirtschaft, welche die erstgenannten Forderungen erfüllt, subventioniert werden muss, um sie am Leben zu erhalten. Subventioniert man letztendlich nicht dann doch nur die Lebensmittelkonzerne, die dadurch mit Dumpingpreisen um Marktanteile ringen?

Wer subventioniert z.B. den afrikanischen Milchbauern, dessen Produkt durch unser Milchpulver aus Überproduktion unverkäuflich wird? Blumenwiese und Kräuterheu könnten auch die Kuh ernähren, die 25 Liter täglich gibt und deren Milch ganz andere Proteinqualität enthielte, weniger Methan ausgaste, aber dies ist Wunschdenken.

Die Extensivierung von Grünland, dessen Umbau zu artenreichem Lebensraum unter Verwendungvon 22 Gräsern und über 40 verschiedenen Wiesenblumen ist Paradigmenwechsel, kein Geschäftsmodell. Der erhebliche Aufwand von Zeit, Energie und Geld generiert Heimat für bestäubende Insekten, Vögel u.a. aber kein konkurrenzfähiges Produkt.

Allerdings: Man spricht mittlerweile von „Wohlstandserkrankungen“ bei unseren Pferden, deren Bestände immer fetter und kränker werden, eine Folge von Fehlernährung. Energetische Überversorgung, aber auch zu viel an Kohlenhydraten bzw. Proteinen aus eben den Leistungsgräsern sind hiermaßgeblich beteiligt. Rechnet man die Kosten für die Folgen von Adipositas, die in Insulinresistenz und Hufrehe münden kann, gegen, relativiert sich der ca. 3,5-fach höhere Heupreis schon.

Man subventioniert den Blühstreifen, der irgenwann wieder gemulcht wird, den Wildacker, der wieder dem Maisfeld weicht. Beides m.E. kontraproduktiv, da Heimat wenn, dann auf Dauer angeboten werden muß. Mulchen tötet gründlich. Aus diesen Summen könnte man umleiten. Derzeit praktiziert man vielerorts die „Neue Wildnis“ gekennzeichnet durch ein Dogma nach dem"gute fachliche Praxis der Landwirtschaft" als Pauschalangriff auf den Naturschutz verstanden wird. "Naturschutzflächen sollen gerade nicht nach landwirtschaftlichen Kriterien bewirtschaftet werden,sonst verfehlten sie ihren Sinn!". Stattdessen erfolgt nach Übernahme sofortiger Düngestop, eine Aushagerung findet über Schnittentnahme statt. Eine z.B. 60% Weidelwiese, die mit 280 - 400kg N-P-K(15-15-15)/ha und Jahr gedüngt wurde, soll im Selbstlauf zu artenreichem Grünland werden. Eine eventuelle Massenausbreitung von Kreuzkräutern, sei natürliche Zwischenstufe....Die Aushagerung solcher Flächen ist letzte Aufgabe, die wir zu lösen haben.

Saatgutmischung für jeden Boden inkl. Invasionsresistenz, Weide- und Wiesenmangement, Revitalisierung über Dauerhumus etc. sind bereits ausgearbeitet und unsere Anwohner zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind: Bachstelze, Zaunkönig, Rotkehlchen, Buchfink, Zilpzalp, Kleiber, Blau- Kohl- und Sumpfmeise, Kolkrabe, Mittelspecht, Star, Singdrossel, Mönchsgrasmücke, Stieglitz, Kernbeisser, Grünfink, Eichelhäher und Baumläufer. Ein Rauchschwalbenpaar baut gerade sein Nest. Manche pendeln teilweise zwischen Nest, Fläche und Tränkanlage der Pferde. Kurze, energiesparend Wege fördern den Bruterfolg, von Vogelsterben keine Rede. Bienen haben eine Mineralstoffquelle. Blindschleiche und Ringelnatter finden Ihre Brutkammer in verrottendem Pferdekot..........

Helge Bernotat: Impulse zur Pferdehaltung

 

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Weiterführende Literatur

  • Renate Ettl (1998), „Pferde naturgemäß und artgerecht  halten  –  Nutzungsorientierte  Pferdehaltung, Weidewirtschaft, Praxistipps“, BL Verlag, München, Wien, Zürich.
  • Helmut Meyer (2002), „Pferdefütterung“, Blackwell Wissenschafts-Verlag Berlin, Wien.
  • Pat Parelli (1995), „Natural Horse-Man-Ship“, Kierdorf-Verlag, Wipperfürth.
  • Margit H. Zeitler-Feicht (2001), „Handbuch Pferdeverhalten  –  Ursache,  Therapie  und  Prophylaxe  von Problemverhalten“,  Eugen  Ulmer  Verlag,  Stuttgart (Hohenheim).