Kirche und Artenschutz

Eine alte Indianer-Weisheit sagt:
„Wir haben die Erde nicht von unseren Eltern geerbt,
wir haben sie von unseren Kindern geliehen.“
Das bedeutet, dass wir dazu verpflichtet sind, besonders gut auf die Natur und unsere Umwelt zu achten, sie zu pflegen und uns so zu verhalten, dass wir die Erde in einem guten Zustand weitergeben können.

Alle Religionen haben eine Schöpfungsgeschichte und auch die Aufgabe, die Natur zu beschützen und zu bewahren.

Die meisten biblischen Texte sind in einer Zeit aufgeschrieben worden, in der Umwelt- und Artenschutz noch unbekannte Begriffe und keine Probleme darstellten. Der Mensch hat die Welt inzwischen so stark verändert, dass es an der Zeit ist, dass sich auch die Weltreligionen um diese Thematik kümmern.

Die Liste der Ursachen für die ökologische Krise unseres Planeten ist lang: Globalisierung, Übernutzung, Umweltverschmutzung… Unsere Zeit ist bestimmt von grenzenlosem Konsum. Die Marktwirtschaft orientiert sich fast ausschließlich an Wachstumsgesichtspunkten. Was klar ist: Um etwas zu verändern, ist es an der Zeit, dass wir unsere Lebensweise überdenken und nachhaltiger handeln.

Für etwa 80% der Weltbevölkerung spielt Religion eine Rolle in ihrem Leben. Die Integrität der Natur zu achten und zu bewahren ist eine wesentliche Botschaft aller Religionen. In der gemeinsamen Erkenntnis der Religionsgemeinschaften hinsichtlich der Bedeutung des Lebens und der Natur liegt somit ein Schlüssel zu einem nachhaltigeren Umgang mit der Natur.

Einen Tag nach der Bekanntgabe der Enzyklika "Laudato Si'" zur Ökologie von Papst Franziskus veröffentlicht das BfN eine gemeinsame Erklärung mit neun verschiedenen Religionsgemeinschaften zum Schutz der Natur und biologischen Vielfalt:

"Vor dem Hintergrund der aktuellen Enzyklika von Papst Franziskus ist die gemeinsame Erklärung der verschiedenen Religionsgemeinschaften das richtige Signal. Der Schutz der Natur und biologischen Vielfalt ist in Anbetracht des globalen Zustandes auch in Deutschland eine äußerst dringliche Aufgabe. Das Engagement der Religionsgemeinschaften freut mich außerordentlich. Ein solcher Zusammenschluss ist in dieser Form eine große Neuerung und zukunftsweisend", sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel.

Im Sommer 2015 trafen sich rund 90 Aleviten, Bahai, Buddhisten, Christen, Eziden, Hindus, Juden, Muslime und Sikhs mit Naturschützern und erarbeiteten mit ihnen gemeinsam eine Erklärung zum Schutz der Natur und der biologischen Vielfalt. Darin haben sie verabredet,

  • dass sie das Thema Naturschutz und biologische Vielfalt in Zukunft jeweils im September während einer Religiösen Woche behandeln wollen
  • dass Freiflächen um Synagogen, Tempel, Kirchen, Moscheen, Cem-Häuser und ähnliche Gebäude stärker als bisher Orte der biologischen Vielfalt werden sollen. Das gilt auch für Friedhöfe und interkulturelle Gärten
  • dass Religiöse Teams für Naturschutz und biologische Vielfalt in Gemeinden, Schulen und andere Bildungseinrichtungen gemeinsame Aufgaben bei der Erhaltung und Bewahrung der Natur diskutieren und anpacken sollen
  • dass sie sich ein Netzwerk der Religionen für den Naturschutz wünschen.

Quelle: Bundesministerium für Naturschutz

Eine kleine Broschüre zu dieser Veranstaltung finden Sie hier

Praxis

Schon als Schüler sind wir mit unserem Biologielehrer auf Friedhöfen gewesen, um dort in aller Frühe Vögel am Gesang zu bestimmen. Später habe ich Schleiereulen, Turmfalken und Waldkäuze u.a. auch in Kirchtürmen betreut. Kirchtürme und Friedhöfe beherbergen eine große Artenvielfalt.

Kirchtürme

  • Kirchtürme sind Ersatzfelsen und -höhlen für Vögel und Fledermäuse. Zu den typischen Kirchturmbewohnern zählen Turmfalke, Schleiereule, Turmdohlen, Mauersegler und Schwalben.
  • Nisthilfen verbessern das Wohnraumangebot für Vögel und Fledermäuse. Die Nisthilfen für unterschiedliche Arten sollten möglichst nicht in unmittelbarer Nähe zueinander anbracht werden, und die Einflugöffnungen sollten möglichst auf der windabgekehrten Seite liegen. Vogelnistkästen direkt hinter den Einflugöffnungen verhindern das Kotproblem im Gebäudeinnern.
  • ...

Friedhöfe

Für den Menschen sind Friedhöfe Orte der Ruhe. Für Tiere und Pflanzen können sie wichtige Lebensräume sein, vor allem in städtischer Umgebung. Besonders wertvoll sind großzügig angelegte, strukturreiche und naturnah gestaltete Friedhöfe.

 

  • Alte Laubbaumbestände bieten einer Vielzahl an Tieren Unterschlupf. Aus ökologischer Sicht sind höhlenreiche und absterbende Bäume besonders wertvoll und daher möglichst zu erhalten. Bei der Neupflanzung sind heimische Arten zu verwenden.
  • Zur Gliederung des Friedhofsgeländes, als Sicht- und Windschutz bieten sich Hecken aus heimischen Wildgehölzen an.
  • Auch Mauern und Steine bilden beliebte Lebensräume. Fugenreiche Natursteinmauern dienen einer Vielzahl von Tieren und Pflanzen als Unterschlupf. Besonders alte Mauern sind schützenswerte Sonderstandorte.
  • Wird bei Rasenfllächen die Schnitthäufigkeit herabgesetzt, auf Düngung und Herbizide verzichtet, siedeln sich robuste Blumen wie Gänseblümchen, Löwenzahn, Ehrenpreis, Brunelle und Hahnenfuß an. Der Rasen wird bunter, bleibt aber trotzdem begehbar.
  • ...

Ausblick: Friedhof, Friedwald, Ruheforst, Friedhofpark, Seebestattung, Almwiesenbestattung, Luftbestattung, Bergbachbestattung, anonyme Bestattung, Diamantbestattung, ...

 

Bestattungskulturen verändern sich. Vielleicht ließe sich eine gemeinsame Lösung finden. Genug Land besitzen die Kirchen. Vielleicht muss sich das Bewusstsein noch etwas weiter entwickeln. Große Bestattungsparks bieten Raum der Ruhe und Besinnung und Platz für Natur und Artenschutz. Und vielleicht muss der monetäre Aspekt nicht immer im Vordergrund stehen.

Atommüll-Endlagersuche

Wie deutschlandweit der beste Standort für hoch radioaktive Atomabfälle gesucht wird, war erstmals Thema bei einer Informationsveranstaltung im Landeshaus in Kiel (nicht in Bayern liegend). Was galluse darüber denkt, entsteht hier

Sendehinweis

phoenix plus

Endlager gesucht      06.05.2019, 14:45 Uhr

News ...

  • Bayern versucht, über politischen Druck Bayern als Standort auszuschließen
  • Die Naturfreunde SH geben zu bedenken, dass mit steigendem Meeresspiegel eine Überschwemmung möglicher Lagerstätten in SH zu erwarten ist, was künstennahe Endlager ausschließt (gilt wohl auch für NDS und MV)

Niemand traut der vorgespielten Sicherheit. Nicht einmal Versicherungen. Zu Recht.

Alle Regionen werden wieder Argumente finden, die Endlager in ihrer Region ausschließen sollen. Politische Machtkämpfe (Bundestag) entscheiden dann nach Experten-(Lobbyisten-) Vorschlägen.

Fehlentscheidungen bezahlen zukünftige Generationen, neben allen anderen Problemen, die wir ihnen auch noch aufgeladen haben. 

Gesucht wird dringend ein verantwortungsvolles, nicht egoistisch denkendes unabhängiges Gremium, das einen Problemlösungsvorschlag ausarbeitet.

Problem: so etwas gibt es wohl nicht. Oder doch?


Links


Umweltschutz in den Religionen

https://www.religionen-entdecken.de/lexikon/u/umweltschutz-in-den-religionen

Verantwortung wahrnehmen für die Schöpfung

https://www.ekd.de/schoepfung_1985_verantwortung2.html

Kirche und Naturschutz

http://www.naturtipps.com/kirche.html

Pflanzen- und Flechtenartenvielfalt auf Kirch- und Friedhöfen

http://www.ag-geobotanik.de/hotspot-2018-2019.html

Kirchen und Naturschutz, theoretische Beiträge

https://www.anl.bayern.de/publikationen/spezialbeitraege/doc/lsb1991_01_gesamtheft.pdf

Schöpfung bewahren: Naturschutz auf Kirchengrund

https://www.bund-naturschutz.de/pressemitteilungen/schoepfung-bewahren-naturschutz-auf-kirchengrund.html

Naturschutz auf Kirchenäckern

"Einige der Pächter behaupteten, die Kirche verpachte nur noch an Ökobauern, und drohten mit Kirchenaustritt."

http://www.taz.de/!5556419/



Nachhaltigkeit

https://www.ekd.de/nachhaltigkeit-32261.htm

Umwelt-Gleichstellung-Nachhaltigkeit

https://www.ekd.de/ekd-fuer-umwelt-gleichstellung-nachhaltigkeit-37912.htm

Tierschutz

https://www.ekd.de/tier_1991_welcome.html

Kammer für nachhaltige Entwicklung

https://www.ekd.de/Kammer-fur-nachhaltige-Entwicklung-14786.htm


https://www.ekd.de/agu/themen.html


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