Insektensterben

Für den Durchschnittsbürger sind Insekten meist lästig. Die Fliege in der Küche, die Mücke im Schlafzimmer oder beim Sonnenbaden, die Ameisen unter der Terasse, die Wespe auf dem Pflaumenkuchen, ... .

Wer sich jedoch intensiver mit Insekten auseinandersetzt, erkennt schnell:

Insekten sind lebensnotwendig für die Abläufe in der Natur. Letztendlich profitieren wir alle von ihrer Existenz.

  • Viele Insekten sind Destruenten, das heißt, sie zersetzen organisches Material. Blätter, tote Tiere, Komposthaufen, ... , überall sind Insekten für das Recycling mit verantwortlich.
  • Insekten sind für die Bestäubung vieler Pflanzen unverzichtbar. Ohne Insekten könnten sich also viele Pflanzen nicht mehr vermehren. Egoistisch brauchen wir die Insekten für unsere Obst-, Gemüse-, Honig-,...,-produktion.
  • Insekten dienen vielen Tierarten als Nahrung: Amphibien, Vögel, Fledermäuse, Schwalben,..., viele würden ohne Insekten aussterben. Sehr viele Jungvögel werden mit Insekten aufgezogen.
  • Insekten zeigen uns auch, ob es unserer Umwelt gut geht. Fehlen Insekten, stimmt etwas nicht. Sie reagieren empfindlicher auf die Vergiftung unserer Natur. Sie sind somit Bioindikatoren.
Wespe auf Lachsbrötchen

Seit einiger Zeit hört man mehr über das Insektensterben. Hobbyforscher haben über 30 Jahre Insekten in Malaise-Fallen gefangen. Diese Fallen dienen dem Fang von Flug-Insekten. siehe hier

Die Zahl 80% beim Rückgang der Insektenpopulationen stammt von ihnen.


Die Populationsentwicklungen vieler Insekten wurde bisher nicht erforscht. Es fehlen wohl die Geldgeber aus der Industrie, Politik und Naturschutz.


Galluse ist sich sicher, dass Ergebnisse von noch durchzuführenden Forschungen unangenehme Fragen aufwerfen würden, für Landwirtschaft, Industrie und Politik. Vielleicht müssen wir deshalb noch länger darauf warten.


Jeder kann in seiner Umwelt, sei es Balkon oder Garten, etwas tun. Letztendlich ist die Politik gefordert. Sie macht die Gesetze, gibt damit auch die Entwicklung der Landwirtschaft vor.

siehe auch hier


Eine Hornisse labt sich in der Herbstsonne an meiner köstlichen Birne. Kurz unterbricht sie, betrachtet mich und meine Linse, dann frisst die weiter.

Sie wohnt in meinem Waldkauzkasten. Nun denn ...


Bei der Kontrolle zahlreicher Schleiereulenkästen auf Schwansen hatten wir in 3 Kästen Hornissen. Gestochen wurden wir bisher nicht.

LivingLand

BUND, Deutscher Naturschutzring, NABU und WWF Deutschland engagieren sich gemeinsam mit anderen europäischen Umwelt-NGOs für eine nachhaltige, naturverträgliche und faire Agrarpolitik. Mit der Initiative LivingLand setzen wir uns für eine starke Reform und einen grundlegenden Wandel ein. Über 600 Unternehmen, Verbände und andere Organisationen haben sich unserer Initiative bereits angeschlossen.

Wir wollen eine EU-Agrarpolitik, die folgende Ziele erfüllt:             

  • Fair: für Landwirte und ländliche Regionen
  • Ökologisch nachhaltig: für reine Luft und sauberes Wasser, gesunde Böden und die Vielfalt von Tieren und Pflanzen
  • Gesund: für gute Lebensmittel und das Wohlergehen aller Menschen
  • Mit globaler Verantwortung: für den Klimaschutz und eine nachhaltige Entwicklung weltweit

Insektenhotels

Insektenhotels findet man inzwischen stark verbreitet. Beim Aufhängen werden jedoch Fehler gemacht, was man auf diesem Foto gut sehen kann. So werden Insekten willkommenes Futter für Vögel.

Hier ist ein häufiger Fehler, dass der Maschendraht keinen Abstand von den Insekten hat.

So locken wir Insekten in den Garten
Insekten spielen eine wichtige Rolle in der Natur. Als Bestäuber für viele Pflanzen oder als Nahrung für verschiedene Tiere wie Igel oder Vögel. Doch sie sind nicht nur nützlich, sondern sind auch schöne und faszinierende Tiere, die es zu entdecken lohnt, und die dem Garten eine lebendige Vielfalt schenken.

Wer Insekten unterstützen und ihnen im Garten einen Rückzugsort bieten möchte, kann dies mit der richtigen Pflanzenauswahl, einigen nützlichen Elementen und viel Geduld tun. Auf diesen Seiten gibt es Tipps.

Problemfelder

  • Die hohen Stickstoffgehalte in Luft und Böden führten zusammen mit Pflanzenschutzmitteln zu einem gefährlichen Verlust insektenfreundlicher Pflanzen in der Natur. Früher gab es viele nährstoffarme Böden mit Pflanzen, die Lebensraum und Nahrung für Insekten sind. Heute ist der Boden oft mit Stickstoff überfrachtet. Stickstoffliebende Pflanzen wie Brennnesseln und Brombeere profitieren davon und überwuchern diese Flächen. Die insektenfreundlichen Pflanzen verschwinden. Nach Angaben der Bundesregierung gelangen
    63 Prozent des Stickstoffs über die Landwirtschaft in die Umwelt
    15 Prozent tragen Industrie und Energiewirtschaft bei.
    13 Prozent der Straßenverkehr
      9 Prozent stammen aus Abwässern

  • Die konventionelle Landwirtschaft, die fast auf der Hälfte der Fläche Deutschlands betrieben wird, ist der mengenmäßig größte Anwender von Pestiziden.
    aber: Gut ein Fünftel der Gesamtmenge an Insektizid-Zubereitungen wurde 2016 an private Nutzer abgegeben. Bisher verzichten auch nur wenige Städte und Gemeinden auf Pestizide, weil oft effektive und bezahlbare Alternativen fehlen.
  • Schutzräume sind oft zu klein und zu wenig. Etwa 100 Hektar (1000m x1000m) sind nötig, damit genügend Insekten eine überlebensfähige Population bilden können. Es fehlten zwischen Naturschutzgebieten auch Landschaftsbrücken. Diese würden benötigt, damit die Insekten, falls sie einem Standort nicht mehr überleben können, einen Ersatzstandort erreichen können. Die Insekten hatten früher 100 Prozent der Landschaft zur Verfügung, aber jetzt sollen sie alle in 4 Prozent Schutzräumen überleben, wie soll das gehen? Derzeit sind sie in den wenigen Schutzgebieten Gestrandete auf einsamen Inseln.
  • Gärten: Sie können eine Brückenfunktion zwischen Schutzgebieten erfüllen. Wenn aber auch hier chemische Mittel verteilt werden und zudem noch exotische Pflanzen gepflanzt werden, sind diese scheinbar grünen Oasen für Insekten lebensfeindlich. Vielleicht versucht man einmal, nur die Hälfte des Rasens abwechselnd zu mähen. Oder vorwiegend heimische Gehölze pflanzen, eine Pappel, Eiche, Birke oder Weide – auf ihnen sind die meisten Insektenarten zu Hause.


http://www.wildbienen-kataster.de/

Ziel des Wildbienen-Katasters ist   

  • die kontinuierliche, systematische Archivierung und Verwaltung aller verfügbaren faunistischen und ökologischen Daten der ca. 460 bekannten Wildbienenarten Baden-Württembergs auf der Basis eines computergestützten Datenbankmanagementsystems       
  • eine stetige Aktualisierung und Qualitätsprüfung des Datenbestands und dieBereitstellung der Daten für:
    - Publikationen aktueller Nachweiskarten von Wildbienenarten
    - Fortschreibung der Roten Liste der Wildbienen Baden-Württembergs
    - Forschungsarbeiten zur Verbreitung, Ökologie und Biologie der Wildbienenarten
    - Naturschutzzwecke

http://www.wildbienen.de/

Wenn Sie schon etwas gesurft und auf der einen oder anderen Seite geschmökert haben, fragen Sie sich vielleicht: Wie kommt jemand dazu, "nur" über Wildbienen eine Website zu erstellen, die Anfang 2018 ca. 5.250 Dateien umfaßt und immer noch ergänzt wird?
Hier finden Sie die Antwort.

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/hautfluegler/bienen/13704.html

Tipps für Nisthilfen

https://www.sielmann-stiftung.de/wildbienen/

informativ

https://www.hummelfreund.com/

Dies ist eine Seite für Hummelfreunde die sich mit Hummeln beschäftigen und diese bewusst ansiedeln.

http://www.wildbienen.de/wbs-fpfl.htm

Wer auf seinem privaten Grundstück oder der Schutzfläche eines Naturschutzvereins Blütenpflanzen ansiedeln möchte, sollte mit ein paar Vorüberlegungen beginnen

sehr viele Pflanzenvorschläge

https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/balkon-und-garten/naturschutz-im-garten/insekten/24004.html?utm_source=Newsletter&utm_medium=E-Mail&utm_campaign=KW10_garten

Mehrere Artikel rund um das Hummelleben

https://www.naturgartenfreude.de/wildbienen/

Insektenhotels u.v.a.

https://www.book2look.com/vBook.aspx?id=9783895663581&euid=247141&ruid=0&referURL=Desktop

Buch zum Thema Nisthilfen

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/insekten-helfen/00959.html

Insektenhotels bauen

Literatur zu Bienenweidepflanzen

Im Internet gibt es auch die eine oder andere Information.

  • "Bienenweide" von Günter Pritsch, Kosmos Verlag (Kritik lesen)
  • Mein Bienengarten: Bunte Bienenweiden für Hummeln, Honig- und Wildbienen von Elke Schwarzer


NEUN‐PUNKTE‐PLAN GEGEN DAS INSEKTENSTERBEN –
DIE PERSPEKTIVE DER WISSENSCHAFT

Verfasser

Dr. Lars Krogmann (Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart)
Prof. Dr. Oliver Betz (Universität Tübingen)
Dr. Jonas Geldmann (University of Cambridge)
Prof. Dr. Dave Goulson (University of Sussex)
Prof. Dr. Randolf Menzel (Freie Universität Berlin)
Dr. Uwe Riecken (Bundesamt für Naturschutz)
Prof. Dr. Joachim Ruther (Universität Regensburg)
Hans Richard Schwenninger (Arbeitskreis Wildbienen Kataster)
Dr. Martin Sorg (Entomologischer Verein Krefeld)
Prof. Dr. Johannes Steidle (Universität Hohenheim)
Prof. Dr. Teja Tscharntke (Georg‐August‐Universität Göttingen)
Prof. Dr. Wolfgang Wägele (Zoologisches Forschungsmuseum Alexander König
)
Stuttgart, 19.10.2018

http://www.naturkundemuseum-bw.de/aktuell/nachricht/9-punkte-plan-gegen-das-insektensterben-praesentiert

 

Insekten sind weltweit die artenreichste Tiergruppe und für die Funktion von Ökosystemen
unerlässlich. Der dramatische Rückgang der Insekten hat in Mitteleuropa inzwischen alarmierende Ausmaße erreicht. Er ist Anzeichen einer globalen Biodiversitätskrise, die sich bereits seit Jahrzehnten abgezeichnet hat und die unabsehbare ökonomische und ökologische Folgen haben wird. Auf dem ersten Internationalen Insektenschutzsymposium am Naturkundemuseum Stuttgart am 19. Oktober 2018 wurden die Gründe für den Rückgang der Insekten aufgrund neuester Forschungsergebnisse diskutiert. Ziel der Tagung war es, konkrete Lösungsvorschläge und Empfehlungen für die Politik zu erarbeiten.

Wir, die Vortragenden des Internationalen Insektenschutzsymposiums, begrüßen die kürzlich vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gemachten Diskussionsvorschläge für ein „Aktionsprogramm Insektenschutz“ der Bundesregierung. Als besonders wesentlich betrachten wir folgende Maßnahmen, mit denen sich aus unserer Sicht die Ursachen des Insektensterbens effektiv bekämpfen ließen. Für die Umsetzung dieser Maßnahmen ist eine enge Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure aus Politik, Industrie, Landwirtschaft, Naturschutz, Wissenschaft und Gesellschaft erforderlich. Anstatt gegenseitiger Zuweisungen der Verantwortung, bedarf es jetzt eines gemeinsamen gesellschaftlichen Kraftaktes, um eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu bewältigen.

1. Einschränkung des Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft


a) Die Zulassungsverfahren für Pestizide sollten dringend geändert werden. Die Beurteilung der Toxizität von Pflanzenschutzmitteln muss ergänzt werden durch eine Bewertung der nicht
tödlichen Schädigung. Die bisher verwendeten Kriterien (z.B. LD50) sind unzureichend und
irreführend. Die „ökologischen Kollateralschäden“ müssen in die Beurteilung der
schädigenden Wirkung von Insektiziden einbezogen werden, wobei das Vorsorgeprinzip nicht
nur auf Menschen und Nutztiere, sondern auch auf die belebte und unbelebte natürliche
Umwelt angewandt werden muss. Dringend nötig ist auch eine bessere Erforschung und
Risikobewertung der Auswirkungen, die der kombinierte Einsatz mehrerer Pestizide mit sich
bringt.
b) Das Pflanzenschutzgesetz sollte dahin gehend geändert werden, dass jeglicher vorbeugender Pflanzenschutz verboten wird, insbesondere das Beizen von Samen und das vorsorgliche Spritzen, noch bevor ein Befall mit Schadinsekten nachgewiesen wurde.
c) Neonikotinoide und Pestizide, welche auf dem gleichen Wirkprinzip beruhen, sollten im
Freiland vollständig verboten werden. Der Einsatz aller anderen chemischen
Pflanzenschutzmittel sollte auf höchstens 20% des bisherigen Einsatzes reduziert werden.
d) Totalherbizide wie Glyphosat sollten in Schutzgebieten, Pufferzonen, Biotopverbundkorridoren und öffentlichen wie privaten Grünflächen umgehend vollständig verboten werden, da sie die Grundlage für artenreiche Nahrungsnetze beseitigen. Auf allen anderen Flächen sollte die Verwendung von Glyphosat schrittweise innerhalb der nächsten fünf Jahre eingestellt werden.

2. Extensivierung der Landwirtschaft

a) Die EU‐Agrarsubventionierungen sind dahingehend zu ändern, dass Direktzahlungen an
ökologische Leistungen gekoppelt werden.
b) Die Anzahl von Brachflächen sollte dringend erhöht werden. Um den Rückgang der Insekten vor allem in der Fläche zu bekämpfen, wäre es sinnvoll, in Gebieten mit besonders intensiver Landwirtschaft strategisch Flächen auszuwählen, die der Natur zurückgegeben werden.
c) Der Anteil der landwirtschaftlichen Flächen, die ökologisch bewirtschaftet werden, sollte nicht erst 2030 (wie von der Bundesregierung angestrebt), sondern so schnell wie möglich auf
mindestens 20 % erhöht werden. Die Umstellung auf ökologische Bewirtschaftung sollte
prioritär in Schutzgebieten, Pufferzonen und Biotopverbundkorridoren vorangetrieben
werden.
d) Die Kriterien für ökologische Vorrangflächen (ÖVF) müssen dringend hinsichtlich ihrer
Naturschutzrelevanz überprüft und angepasst werden. Der Anteil ökologischer Vorrangflächen
sollte von 5% auf 10‐20% erhöht werden.
e) Nährstoffüberschüsse in der Landschaft müssen wirksam begrenzt werden. Dazu ist auf die
Einhaltung einer bedarfsgerechten Düngung zu bestehen. Verstöße gegen die novellierte
Düngeverordnung sollten sanktioniert werden.
f) Kleinere Felder mit strukturreichen Feldrändern und Hecken sollten stärker subventioniert
werden. Zudem braucht es eine verbesserte Landschaftsplanung, um Biotopverbundkorridore
mit allen lokal sinnvollen Maßnahmen der Vernetzung zu gestalten. Ökologische Maßnahmen
sollten vorrangig in bereits strukturarmen/ausgeräumten Landschaften durchgeführt werden.

3. Erhöhung der Artenvielfalt des Grünlands

a) Der weitere Rückgang der Grünlandflächen, die z.Zt. noch ca. 30 % der landwirtschaftlich
genutzten Flächen ausmacht, muss umgehend gestoppt werden.
b) Für die Entstehung vielfältiger Insekten‐ und Pflanzengemeinschaften im Grünland ist die
Einführung insektenfreundlicher Mähweisen und –methoden eine Grundvoraussetzung. Dazu
zählt die Einhaltung einer "10‐10‐Regel", d.h. Stehenlassen von 10% des Wiesenbestandes
(auch über den Winter) sowie Einhaltung einer Mahdhöhe von mindestens 10 cm. Die sich
daraus ergebenden wirtschaftlichen Einbußen sind finanziell zu kompensieren.
c) Der Einsatz von Mulchgeräten und Mähaufbereitern gehört auf ein absolutes Minimum
reduziert.

4. Pflege von Naturschutzgebieten

a) Habitatansprüche von Insekten und anderen Wirbellosen sollten im Pflegemanagement von
Naturschutzgebieten berücksichtigt werden. Dazu gehören auch eine insektenfreundlichere
Mahd (s. Punkt 3) unter Einbeziehung von Fachwissenschaftlern.
b) Der Etat der zuständigen Naturschutzbehörden muss dringend erhöht werden, um Pflege‐ und Bewirtschaftungsmodelle in den Schutzgebietsflächen zu ermöglichen, die optimal auf den Erhalt der lokalen Artenvielfalt ausgerichtet sind und viel stärker die Besonderheiten der
lokalen Diversität berücksichtigen.
c) Jegliche Form der Landnutzung (z.B. von Ackerflächen) muss angemessen in den Pflege‐ und Bewirtschaftungssystemen der Schutzgebiete integriert sein. Zielkonzeptionen aus der Sicht des Biodiversitätsschutzes sollten für unterschiedliche Nutzungstypen klar definiert werden.
d) Der Einsatz von Pestiziden sollte in Naturschutzgebieten untersagt sein. Um den Pestizideintrag zu minimieren, sollten zwischen Naturschutzgebieten und angrenzenden Ackerflächen angemessene Pufferzonen eingerichtet werden.
e) Durch gezielten Ankauf von Flächen sollte die Zahl von Schutzgebieten und damit der Anteil der unter Naturschutz stehenden Gesamtfläche dringend erhöht werden.

5. Mehr Natur im öffentlichen Raum

a) Insektenfreundliche Management‐Konzepte sollten umgehend auf öffentlichen Grünflächen
umgesetzt werden. Diese sollten auch auf den gewerblichen und privaten Bereich ausgedehnt
werden.
b) Bei Bepflanzungen sollte gerade in Städten und Gemeinden statt exotischer Pflanzen (z.B.
Forsythien, Thuja und Kirschlorbeer) konsequent heimische, im Idealfall nektarreiche Pflanzen
eingesetzt werden. Die hierzu notwendigen Mittel sollten aus neuaufzulegenden
Biodiversitätsprogrammen kommen. Anstatt „Mehr Grün in der Stadt“ braucht es „Mehr
heimische Blütenpflanzen in der Stadt“.
c) Großflächige Umstellung des Mähregimes öffentlicher Grünflächen im städtischen und
ländlichen Raum von einem Kurzrasen‐Management auf ein extensives Wiesenmanagement
mit maximal zwei Mahden pro Jahr unter Abräumung des Mähguts erst nach einigen Tagen.
Wiesen im öffentlichen Raum sollten unter Verwendung regionaltypischen einheimischen
Saatguts neu angelegt werden.
d) Im Straßenbau sollten insektenfreundliche Straßenränder unter Verwendung autochthonen
Saatguts und Einhaltung eines extensiven Mähregimes angelegt werden.

6. Lichtverschmutzung

Licht mit hohem Blauanteil zieht viele Insekten aus dem Naturraum an, mit einem negativen
"Staubsauger"‐Effekt für das Ökosystem. Daher ist der Einsatz von LED Straßenleuchten aus
ökologischer und ökonomischer Sicht zu begrüßen. Statt der häufig von den Kommunen
getroffenen Entscheidungen für eine Farbtemperatur von 4000 Kelvin (neutralweißes Licht)
sollten jedoch LED‐Straßenlampen mit einer Farbtemperatur von maximal 3000 Kelvin
eingesetzt werden. Diese Farbtemperatur zieht nachweislich weniger nachtaktive Insekten an.
Eine ausreichende Helligkeit, um der Verkehrssicherungspflicht nachzukommen, kann mit
2800 – 3000 Kelvin ebenso erreicht werden.

7. Forschungs‐ und Bildungsoffensive

a) Der Kenntnisstand zur Biodiversität der Insekten in Deutschland ist alarmierend gering und
muss dringend ausgebaut werden. Nur für etwa ein Drittel der Arten existieren
Gefährdungsbewertungen, für den überwiegenden Teil der Arten fehlen Grundlagendaten zur
Lebensweise, Verbreitung sowie zu ihren Funktionen in den lokalen Artengemeinschaften.
b) Deutschland braucht eine Taxonomie‐Offensive zur Erforschung und Dokumentation der
Artenvielfalt mit neuen Stellen an Naturkundemuseen und Universitäten. Die taxonomische
und faunistische Expertise von freiberuflichen Feldbiologen aber auch Amateurentomologen
sollte ebenfalls erhalten und ausgebaut werden. Nur so kann der weitere Verlust an
biologischem Grundlagenwissen und der Rückgang gut ausgebildeter Artenkenner verhindert
werden.
c) Anstatt das Fach Biologie in Schulen weiter einzuschränken, sollten wieder verstärkt Artenkenntnis, Verständnis für ökologische Zusammenhänge und die Bedeutung von Biodiversität vermittelt werden.
d) Ein langfristiges und flächendeckendes Insekten‐Monitoring muss Hoheitsaufgabe der
Bundesländer werden und als Grundlage für zukünftige Naturschutzmaßnahmen dienen.
Untersuchungen sollten nicht nur auf einzelne Indikatorgruppen begrenzt sein, sondern
möglichst viele Arten mit unterschiedlichen ökologischen Funktionen berücksichtigen.
e) Naturkundliche Sammlungen werden als Archive des Lebens zukünftig eine zunehmende
Bedeutung für die moderne Biodiversitätsforschung und für Monitoring‐Projekte haben. Ihnen
sollten für den weiteren Ausbau und den Erhalt ausreichend finanzielle und personelle Mittel
zur Verfügung gestellt werden.

8. Förderung von Wildbestäubern

a) Für hochgradig gefährdete Wildbienen sollte entsprechend der Gefährdungskategorien RL 0, 1, 2, G und R ein strengerer Schutzstatus in der Bundesartenschutzverordnung eingeführt
werden, damit diese bei Eingriffs‐ und Landschaftsplanungen obligatorisch berücksichtigt
werden.
b) Trotz ihrer Schlüsselfunktion wurden Wildbienen nicht in die FFH‐Richtlinie (Council Directive 92/43/EEC) aufgenommen. Daher sollten zumindest Arten, die europaweit als gefährdet gelten, in der EU geschützt werden.
c) Bei der Zucht und der kommerziellen Vermarktung von Honigbienen, Hummeln und anderen Bienenarten als Bestäuber sollten strengere Hygienemaßnahmen durchgeführt werden, um eine Übertragung von Krankheiten auf Wildbienen und andere Insekten zu vermeiden.
d) Initiativen zur Förderung von Honigbienen eignen sich nicht als Naturschutzmaßnahmen, da sie vor allem bei knappem Blütenangebot zu Nahrungskonkurrenz mit Wildbestäubern führen können. Spezifische Maßnahmen für Wildbienen sind zwingend.
e) Für Honigbienenvölker sollte abhängig vom Lebensraum eine ökologisch vertretbare
Höchstzahl festgesetzt werden. Honigbienenhaltung darf innerhalb von Naturschutzgebieten
und angrenzenden Pufferzonen nicht mehr erlaubt sein.

9. Öffentlichkeitsarbeit

a) Jede/r Einzelne kann und sollte dazu beitragen, einen weiteren Rückgang von Insekten zu
verhindern. Hierzu ist jedoch ein neues Bewusstsein nötig, welches die Vielfalt an Pflanzen und Tieren auch in Wohngebieten und öffentlichen Grünanlagen als einen Wert an sich begreift.
b) Monotone Rasenflächen oder mit Kies versiegelte Gärten und Grünanlagen sollten nicht als
„aufgeräumt“ angesehen, sondern als Problem der weiteren ökologischen Verarmung unserer
Städte und Gemeinden identifiziert werden. Sich selbst überlassene ausgewählte Flächen in
Parks und Privatgärten stellen wichtige Naturerlebnisräume für die Stadtbevölkerung,
insbesondere mobilitätseingeschränkte Gruppen dar.
c) Um ein langfristiges Umdenken in der breiten Bevölkerung einzuleiten, müssen wir bei den
Jüngsten beginnen. Gezielte Fortbildungen von Lehrer/innen und Erzieher/innen könnten z.B.
ein Weg sein, um das Thema verstärkt in die Schulen zu tragen und die Aufmerksamkeit von
Kindern weg von ihrem Smartphone und hin zu dem, was da am Wegesrand krabbelt, zu
lenken.

Verfasser
Dr. Lars Krogmann (Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart)
Prof. Dr. Oliver Betz (Universität Tübingen)
Dr. Jonas Geldmann (University of Cambridge)
Prof. Dr. Dave Goulson (University of Sussex)
Prof. Dr. Randolf Menzel (Freie Universität Berlin)
Dr. Uwe Riecken (Bundesamt für Naturschutz)
Prof. Dr. Joachim Ruther (Universität Regensburg)
Hans Richard Schwenninger (Arbeitskreis Wildbienen Kataster)
Dr. Martin Sorg (Entomologischer Verein Krefeld)
Prof. Dr. Johannes Steidle (Universität Hohenheim)
Prof. Dr. Teja Tscharntke (Georg‐August‐Universität Göttingen)
Prof. Dr. Wolfgang Wägele (Zoologisches Forschungsmuseum Alexander König)
Stuttgart, 19.10.2018