Ein ausgewachsener Uhu hat in der Natur kaum Feinde. Probleme schafft der Mensch. Über die Zeit und von Land zu Land unterschiedlich sind als negative Einflüsse auf den Uhubestand folgende Ursachen zu nennen (alphabetische Reihenfolge):

1. Brutplatzbesuche

Brutplätze werden aus verschiedenen Gründen aufgesucht. Wissenschaft, Pseudowissenschaft, Eierzählungen, Beringen der Junguhus, Neugier, Interesse, Fotografie, Zufall, ...

Jeder Besucher hat für sich plausibele Argumente und Begründungen. Die Störung bleibt. Teilweise werden Brutplatzbewachungen organisiert. Brutplätze werden i.d.R. nicht veröffentlicht (z.B. Ornitho macht sie nur wenigen Experten zugänglich)

2. Drohnen

Die Verbreitung von Drohnen hat in den letzten Jahren stark zugenommen, ein Ende ist trotz zunehmender gesetzlicher Auflagen nicht abzusehen. Der Drang vieler Menschen, Sensationsaufnahmen zu machen um sie anschließend ins Netz zu stellen, nimmt ebenfalls zu. Das geht auch am Uhu nciht vorbei. In fachlicher Hand ermöglichen Drohnen jedoch auch eine Beobachtung von Uhus aus größerer Entfernung. Wie Eulen auf das Überfliegen ihrer Nistplätze durch Drohnen reagieren ist noch zu klären. Natürlich durch Störung.

3. Eierraub

Der Uhu wurde in der Vergangenheit benutzt, um andere Vögel zu jagen. Vögel "hassen" auf den Uhu, greifen ihn an um ihn zu vertreiben. Das nutzten die Jäger zur "Hüttenjagd". Außerdem werden verbotenerweise hin und wieder Uhus privat gehalten. Eierraub hat heute an Bedeutung verloren.

4. Fallen - Schlageisen

Uhus wurden in der Vergangenheit ebenso wie andere Greifvögel von Jägern verfolgt, ja geradezu vernichtet. Aus Gier. Obwohl der Einsatz von Schlageisen und Tellereisen für den Greifvogelfang gesetzlich untersagt ist, sind Einzelfälle nicht auszuschließen.

5. Geocaching

Geocaching ist eine moderne Form einer Schatzsuche bzw. Schnitzeljagd. Ausgestattet mit einem Global Positioning System (GPS)-Empfänger und den Koordinaten eines "Schatzes" aus dem Internet kann man die Schätze finden, die jemand anderes an ungewöhnlichen Plätzen versteckt hat. Und diese liegen oft in abgelegener Natur. Das erhöht den Reiz. Menschen werden durch dieses Spiel wieder in die Natur geführt. Schatzverstecker sollten jedoch achtsam vorgehen, eine Aufklärung der Naturkundigen ist hilfreich.

6. Jagd

In den vergangenen Jahrhunderten haben Jäger und Revierbesitzer den Uhu so stark bejagt, dass er gebietsweise verschwunden ist. Teilweise gab es sogar Abschussprämien. Dieses Schicksal teilt der Uhu mit anderen Raubvögeln, Raubtieren und Raubzeug. "Jagdschädlichkeit" war (und ist) das egoistische Argument. Ein Umdenken der verantwortlich Handelnden sowie gesetzliche Regelungen haben dieses heute weitgehend geändert. Hin und wieder werden jedoch auch heute noch Uhus gefunden, die geschossen worden sind.

7. Krankheiten

  • Trichomonadose als Todesursache (hochgradige entzündliche Schwellung der Rachenschleimhaut). In Deutschland tritt sie bei Tauben, Singvögeln sowie bei Greifvögeln und Eulen auf.
  • Parasitenbefall. Meist lebt aber ein Wildvogel im Gleichgewicht mit Parasiten, nur wenn dieser durch eine andere Erkrankung bereits über längere Zeit geschwächt ist, können Parasiten ernsthafte Probleme bereiten. Mehr hier
  • Vogelgrippe
  • ...

8. Lärm

Während der Uhu früher Brutplätze bevorzugte, die abgeschieden in ruhiger Umgebung lagen, hat er sich heute den veränderten Verhältnissen zunehmend angepasst. Man findet Brutplätze in bewirtschafteten Steinbrüchen und Kieskuhlen, auf Brücken und in Gebäuden.

9. Nahrungsmangel

Nahrungsangebot bzw. Nahrungsmangel war schon immer ein natürlicher Regulator des Uhubestands. Durch die menschlichen Einflüsse ist er heute jedoch ein entscheidender Punkt für die Entwicklung der Uhupopulation.
Der Uhu reagiert auf fehlendes Nahrungsangebot mit abnehmender Legetätigkeit und Gelegegröße. Es kommt sogar zu Tötungen des schwächsten Jungen durch das Uhuweibchen oder zu Geschwistertötung, wenn während der Nestlingsphase die Nahrung knapp wird.
Ursachen sind vielfältig:

  • Durch den flächenhaften Anbau von wenigen Pflanzenkulturen (Vermaisung) und immer größeren Ackerschlägen wird den Uhus und anderen Greifvögeln der Zugang zu den vorwiegend auf dem Boden lebenden Beutetieren erschwert bzw. unmöglich gemacht.
  • Sobald das Wetter es zulässt, werden die Wiesen mit der stinkenden Brühe gedüngt. Oft genug ertrinken dann die Mäuse massenweise in ihren Gängen oder sterben an Unterkühlung – und die Uhus hungern.
  • Durch die stark veränderte Landwirtschaft und die starke Anwendung von Insektiziiden und Pestiziden ist die natürliche Entwicklung der typischen Beutetiere des Uhus gestört (Kaninchen, Hamster, Rebhun, Hase, Igel, ...)

10. Prädatoren

Unter Prädation versteht man das Töten und Fressen von Tieren durch andere Tiere.

Der Uhu steht als einer der größten Beutegreifer der Nordhalbkugel an der Spitze der Nahrungskette. Ausgewachsene gesunde Uhus haben außer dem Menschen kaum Feinde. Gefährdet ist ehrer der Nachwuchs, sei es, dass Gelege zerstört oder Junguhus zur Beute anderer Tiere werden.

Waschbären, Wildschweine, Marderhund, Fuchs, Luchs, Wolf, ...

Im Rahmen eines Telemetrieprojektes im Naturpark „Sierra de Espadán“ (Castellón, Spanien), bei dem Habichtsadler (Aquila fasciata) mit GPS-Sendern ausgestattet wurden, stellten die Wissenschaftler einen durch einen Habichtsadler geschlagenen Uhu fest. Bisher waren nur drei Vogelarten bekannt, die nachweislich einen Uhu getötet haben: Steinadler, Seeadler und Steppenadler.


11. Stromleitungen

Mehr als 60.000 Kilometer Hoch- und Höchstspannungsleitungen durchziehen Deutschland. Nur ein Bruchteil davon liegt als Erdkabel unter der Erde. Dazu kommen Mittelspanungsleitungen, Fahrdrähte und Telefonleitungen. Diese Freileitungen können zu tödlichen Kollisionen von Vögeln führen.

Bei Stromleitungen kommt es zu Verletzungen und Tod durch Stromschlag und mechanischen Verletzungen (z.B. Flügelbruch). Während in Mitteleuropa Hochspannungsleitungen zunehmend durch geeignete Isolatoren den Vogelschutz Rechnung tragen, gibt es aber auch die Vielzahl von niedrigen Leitungen, wie Mittelspannungsleitungen,Telefondrähte, Eisenbahnelektrifizierung, Seilbahnen, ...

Bei Berührung spannungsführender Teile der Masten können die Vögel aufgrund ihrer Größe leicht Erd- und Kurzschlüsse verursachen, die zu einem tödlichen Stromschlag führen.

12 Tourismus

Zunehmender Tourismus (Wandern, Klettern, Geocaching, Gleitschirmfliegen, ... führt zu zunehmenden Störungen im Brutgeschäft der Vögel.

13. Vergiftungen

Direkte Vergiftungen durch Auslegen von Giftködern wurde bisher wohl nicht nachgewiesen.

Vergiftungen sind jedoch auch dadurch möglich, dass Uhus vergiftete Beutetiere greifen. Besonders die Rattenvergiftungen erzeugen viele teilvergiftete Tiere, die leicht zur Beute von Uhus werden. Auswirkungen sind mir noch nicht bekannt.

Rodentizide sind chemische Mittel zur Bekämpfung von Nagetieren. Sie werden zur Herstellung von  Fraßködern und zur Begasung von Lagerräumen und unterirdischen Nagetiergängen verwendet. Antikoagulantien aus der Gruppe der Vitamin-K-Antagonisten hemmen die Blutgerinnung. Diese Wirkstoffe werden auch als Cumarine bezeichnet. Es werden Wirkstoffe der ersten (FGAR) und Wirkstoffe der zweiten Generation (SGAR) unterschieden. Wirkstoffe der zweiten Generation sind giftiger und biologisch schwerer abbaubar als die Wirkstoffe der ersten Generation.

"Bei der Verwendung von Rodentiziden (mit Antikoagulanzien) besteht die Gefahr, dass nicht nur Ratten und Mäuse sondern auch andere Tiere von den Ködern fressen und dadurch unabsichtlich vergiftet werden. Eine hohe Vergiftungsgefahr besteht ebenso für Tiere, die mit Antikoagulanzien vergiftete Nager fressen. Sie können noch an dem Gift sterben, das sich im Nager befindet. So sind vor allem Raubvögel, wie Mäusebussarde oder Eulen, aber auch räuberische Säuger, wie Füchse und Wiesel, stark gefährdet. Antikoagulanzien der zweiten Generation (Bromadiolon, Difenacoum, Brodifacoum, Difethialon und Flocoumafen) wurden zudem als potentiell persistent (P), bioakkumulierend (B) und toxisch (T) eingestuft. Solche sogenannten PBT-Stoffe werden nur sehr schlecht in der Umwelt abgebaut, können sich in Lebewesen anreichern und sind giftig." Quelle: Umweltbundesamt (hier)

Zugelassene Rodentizide mit Antikoagulanzien der zweiten Generation dürfen in Deutschland nur noch von sachkundigen Verwendern, das heißt ausgebildeten Schädlingsbekämpfern und berufsmäßigen Verwendern mit einem entsprechenden Sachkundenachweis verwendet werden.

14 Verkehr

Totfunde nehmen im Bereich Straßen und Eisenbahn zu. Die Altvögel sind durch die Veränderung der Landschaft durch die industrielle Landwirtschaft zunehmend gezwungen, Straßen, Wege und Schienenbereiche für den Beutefang aufzusuchen. Außerdem sammeln sie sicher Verkehrsopfer und werden überreascht.

15 Windkraft

In Deutschland stehen mehr als 26.000 Windenergieanlagen. Jahr für Jahr kommen etwa 1.500 hinzu.
Fast nirgends werden die Verluste von Vögeln an Windenergieanlagen systematisch erfasst. Die Statistik beschränkt sich auf Zufallsfunde. Nur hin und wieder werden tote Uhus im Getreide oder hohen Gras unter den Anlagen gefunden - in Deutschland bisher 16. Es schaut keiner nach, nur der Fuchs.

Windkraftanlagen werden je nach Standort auch zunehmend ein Lebensrisiko für Uhus. Zunehmend gibt es Untersuchungen, zahlreiche Fragen sind noch ungeklärt. Es gibt Totfunde, die auf Windkraft zurückzuführen sind.

  • Oft müssen Uhus weite Strecken zwischen Brutplatz und Nahrungsraum zurücklegen. Studien zeigen, dass sie dabei durchaus in Höhen zwischen 70 und 100 Metern fliegen, somit in den Bereich der Rotoren gelangen.
  • Flughöhen im Bergland und in der Tiefebene unterscheiden sich
  • Die Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten (LAG VSW) veröffentlicht dazu in ihrem Bericht 2015 hier:

    Bisher sind 16 „Schlagopfer aus Deutschland, weitere 18 aus Spanien und je eines aus Frankreich und Bulgarien registriert. Kollisionsrelevant sind insbesondere die vom Brutplatz wegführenden Distanzflüge, die sowohl im bergigen Gegenden als auch im Flachland teils in großer Höhe erfolgen.

    Wie bei allen nachtaktiven Arten sind beim Uhu auch akustische Beeinträchtigungen zu beachten.

    Die LAG VSV empfiehlt 1000 m Mindesabstand zu WEA und einen Prüfbereich von 3000 m, in dem vor allem das Vorhandensein regelmäßiger, attraktiver Nahrungsquellen zu prüfen ist.


16 Wirtschaft

  • Naturerschließung :Bau von Forstwirtschaftswegen, Wanderwegen, Radwege, ...
  • Holzeinschlag (in einem Radius von 200 m um den Brutplatz sollte darauf verzichtet werden)
  • Windbruch, Beseitigung der Bruchreste


Links

http://www.egeeulen.de/files/uhu_nahrung.pdf

http://www.egeeulen.de/files/stromtod_uhus.pdf

http://www.egeeulen.de/files/nul06-15_uhu_wka.pdf



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