Brutbiologie des Uhus

Brutort

Anbringen einer Uhu Nisthilfe

Erste Naturbeobachtungen von Brehm ergaben schon vor 200 Jahren, dass der Uhu am liebsten in unzugänglichen Felswänden brütet. Selten sucht er große Bäume auf, manchmal Ruinen. Je nach Geländebeschaffenheit findet man ihn heute auch auf Waldboden, in Horsten großer Raubvögel oder Reiher, in Industriebrachen, Kieskuhlen, Steinbrüchen, Brücken oder Bäumen. Gern nimmt er auch vom Menschen installierte Nisthilfen an.

Immer sucht er sich eine Mulde, in der die Eier nicht wegrollen können, selbst baut er kein Nest.

Geeignete Nistplätze sucht der Uhu über Jahre immer wieder auf.

Je nach Landschaftsbeschaffenheit und Beutetierdichte haben Untersuchungen ergeben, dass Uhunistplätze zwischen 4 und 30 km Abstand voneineander haben, als Mittelwert etwa 10 km. Diese Werte schwanken stark. Da Uhus jedoch einen großen Nahrungsbedarf haben, etwa bis 3 km um ihren Nistplatz herum jagen, ergeben sich Mindesabstände von 6 km, damit Jagdreviere sich nicht überschneiden.

Balz

Die Herbstbalz geht von September bis November. Nun sind Altpaare wieder im direkten Umfeld ihres Brutplatzes zu finden, und neue Paare finden sich zusammen. Sofern kein harter Wintereinbruch erfolgt, kann die Herbstbalz nahtlos in die eigentliche Balz übergehen. Die Balz endet nach Brutbeginn der Uhus. Männchen, die noch keine Partnerin haben, rufen sehr ausdauernd und intensiv. Intensives Rufen hat man auch bei Uhuweibchen festgestellt, deren Partner verstorben ist und die im ursprünglichen Revier allein zurückblieben. Einzeluhus in einem Revier können bis zum Juni intensiv rufen.

Zum Balzverhalten gehört es auch, dass das Männchen versucht, das Weibchen mit Lock- und Fütterungslauten zum ausgewählten Nistplatz zu locken. Nimmt das Weibchen den Nistplatz an, werden von Brutmulden an möglichen Brutplätzen gescharrt. Ab dieser Zeit jagt das Weibchen nicht mehr und wird vom Männchen mit Nahrung versorgt. Vielleicht ist diese Versorgung mit Nahrung auch ein "Test" für die mögliche Brut (taugt das Männchen zur Brut?).

Eiablage und Brutzeit

Der Uhu richtet seine erste Eiablage flexibel nach dem Witterungsverlauf im Spätwinter und dem damit verbundenen Nahrungsangebot. Außerdem werden individuelle Brutgewohnheiten beobachtet.

Seltene Beobachtungen zeigen einen Eiablage Ende Januar, meist erfolgt sie Anfang März. Die Eier sind etwa 60 mm x 50 mm groß.

Wenn ein Gelege zu Anfang der Brutzeit verloren geht, kann es zu einem Nachgelege kommen.

Das Weibchen beginnt gleich nach Ablage des ersten Eies mit seiner Brut. Die Eigablage erfolgt im Abstand von drei bis vier Tagen. Das führt letztendlich dazu, dass die Jungen auch gestaffelt schlüpfen, in ihrer Entwicklung unterschiedlich groß sind (Vergleich Mensch).

Das Gelege besteht in der Regel aus 2 bis 3 Eiern, es werden aber auch bis zu 5 Eier bebrütet.

Wenn ein Gelege zu Anfang der Brutzeit verloren geht, kann es zu einem Nachgelege kommen.

Die Küken schlüpfen nach 34 Tagen Brutzeit, also wieder gestaffelt.

Die frisch geschlüpften Uhus tragen ein weißliches Daunenkleid und wiegen durchschnittlich 60 Gramm. Im Alter von sechs Tagen sind die Nestlinge erstmals in der Lage, auf ihren Fersen zu hocken, mit 16 Tagen können sie bereits stehen. Der Zeitpunkt, zu dem die Nestlinge die Nistmulde verlassen und damit zu Ästlingen werden, ist vom Brutplatz abhängig. In geschützten Felsnischen verbleiben die Junguhus bis zu 10 Wochen; liegt die Nistmulde dagegen am Boden, wandern die Jungen bereits mit 3,5 Wochen ab. Sicher gehen, springen und klettern können Uhujunge allerdings erst mit vier bis fünf Wochen. Die Junguhus erwandern sich nun die Umgebung bis etwa 200 m vom Nest entfernt.

Wenn Menschen, Hunde, Wildschweine oder andere Gefährder in die Nähe der Jungen kommen, werden sie durchaus von den Altvögeln attackiert.

Im Alter von 8 Wochen beginnen die Junguhus mit dem Fliegen. Die Eltern versorgen ihre Nachkommenschaft bis zu einem Alter von etwa 5 Monaten. In dieser Zeit sind die Jungen stark gefährdet. Das erste Lebensjahr überleben durchschnittlich nur drei von 10 Junguhus.

Spätestens im November wandern die Junguhus ab. Für die Eltern beginnt eine neue Brutperiode.