Infos auch hier: Landesverband Eulenschutz-Schleiereule

Merkmale

Die Schleiereule ist etwa taubengroß jedoch mit deutlich längeren Flügeln und erreicht eine Spannweite von knapp einem Meter und  ein Gewicht von 300 - 400 g. Die Oberseite der Schleiereule ist goldbraun, die Unterseite rostbraun bis weiß. Wie ein feines Gespinst scheint über ihr Federkleid ein „Perlenschleier“ aus dunklen Punkten geworfen zu sein. Zu ihren auffälligsten Erkennungsmerkmalen gehören das herzförmige Gesicht sowie die verhältnismäßig kleinen, schwarzen Augen. Sie ist nachtaktiv und am Tage nur an ihren Ruheplätzen sowie am Brutplatz zu beobachten.


Verbreitung

In Europa kommt die Schleiereule nordwärts bis Schottland und Dänemark, nach Osten bis in die Ukraine vor. Die Schleiereule besiedelt auch die gemäßigten, subtropischen und tropischen Zonen von Afrika, Europa, Südwest- und Südasien, Australien, Südamerika und Nordamerika. Sie zählt damit zu den am weitesten verbreiteten Vogelarten überhaupt.


Jonathan Hornung - Based on information and map from Barn owls

Lebensraum
Die Schleiereule  besiedelt sie als Kulturfolger fast ausschließlich die offene Agrarlandschaft mit dörflichen Siedlungen. Als Brutplätze werden vor allem Scheunen und Kirchtürme, seltener auch Baumhöhlen genutzt. Die langen Flügel und der gleitende Flug sind Anpassungen an die Jagd in offenem Gelände. Während ihrer Ruhezeit am Tage sitzt sie an versteckten Plätzen in Scheunen, Ruinen, in Baumhöhlen oder Felsspalten. Schleiereulen sind ziemlich ortstreu und verharren auch in strengen Wintern mit hoher Schneedecke sehr lange in ihren angestammten Gebieten. Zusammen mit der vergleichsweise schlechten Nahrungsverwertung und der geringen Fettspeicherung führt diese wenig ausgeprägte Neigung zu Wetterfluchten in Mitteleuropa in strengen Wintern oft zu Bestandseinbrüchen, die bis zum Erlöschen regionaler Vorkommen führen können. Dieses haben wir nach den strengen Schneewintern in SH 2009/2010 z.B. auf Schwansen bestätigen können.

Landesverband Eulenschutz


Verhalten

Die Schleiereule macht in der Dämmerung und nachts vor allem Jagd auf kleine Säugetiere. Bei ungünstigen Wetterbedingungen sowie während der Jungenaufzucht dehnt sie ihre Jagdzeit auch auf den Tag aus. Die Ortung der Beute erfolgt optisch und akustisch. Der Gesichtsschleier verstärkt die Schallsammlung für das Gehör und schirmt andere Geräusche ab. Während der Jagd gleitet sie oft nur wenige Meter über dem Erdboden; ihr Flug ist dabei nahezu geräuschlos. Gern hält sie regelmäßige Flugrouten ein und fliegt dabei besonders an Hecken, Zäunen und Gräben entlang.

Vor dem Aktivitätsbeginn in der Dämmerung strecken und schütteln sich die Eulen. Danach putzen sie sich ausgiebig mit Hilfe der als „Putzkralle“ ausgebildeten und gezähnten Mittelzehe sowie mit dem Schnabel, wobei das Gefieder durch ein Sekret der Bürzeldrüse am Schnabel eingefettet wird („Komfortverhalten“). Während der Balzzeit kommt es auch zu gegenseitiger Gefiederpflege, bei der mit dem Schnabel der Schleier, Kopf und Nackenbereich gekrault wird. Regelmäßig ergänzen Wasserbäder oder Regenduschen die Körperpflege, auch morgendliches Sonnenbaden wurde beobachtet.

Ausgewachsene Schleiereulen sind sicher überwiegend Einzelgänger, die sich mit Ausnahme der Balz- und Paarungszeit selten in die Nähe anderer Schleiereulen begeben.

Das Feindverhalten der Schleiereulen besteht in erster Linie aus einer ausgeprägten Feindvermeidung. Auf ihrem Ansitzplatz sind die Eulen meistens gut versteckt und getarnt, noch verstärkt durch ihre aufrechte Ruhestellung. Bei Störungen laufen die meisten Schleiereulen in ein Versteck oder drücken sich näher an bestehende Strukturen des Ansitzes. Im Extremfall fliehen die Eulen und bespritzen dabei ihren Feind mit ihrem dünnflüssigen Kot. Jungvögel und bedrängte Altvögel, die nicht fliehen können, drohen ihrem Gegner in einer Drohstellung mit ausgestreckten und präsentierten Flügeln und vorgebeugtem Körper. Dabei stoßen sie laute Schreie aus und starten Scheinangriffe. Flugunfähige Jungvögel und ergriffene Schleiereulen wehren sich vor allem durch Zuschlagen mit den Krallen, seltener durch Bisse. Liegen sie auf dem Rücken, verharren sie häufig bewegungslos mit geschlossenen Augen (Schreckstarre).

Brutbiologie

Die drei bis zwölf im Abstand von etwa zwei Tagen gelegten Eier werden etwa 30 Tage lang vom Weibchen bebrütet. Es beginnt bereits vom ersten Ei an zu brüten, so dass die Jungvögel mit den Legeabständen schlüpfen.


Das Weibchen brütet und hudert allein, bis zum Alter des Jüngsten von ca. drei Wochen bringt allein das Männchen die Nahrung herbei.



Die ungleich großen Jungvögel sind nach etwa zwei Monaten flügge. Die Jungvögel wechseln aus ihrem Daunenkleid direkt in das Gefieder der erwachsenen Tiere.



Junge Schleiereulen beginnen ab dem 31. Lebenstag ihre Jagdtechniken zu üben. In einer morgendlichen und abendlichen Aktivitätsphase laufen sie – sofern der Brutort dafür ausreichend Platz bietet – bis zu zwei Meter umher und trainieren „Mäuselsprünge“. Ab dem 39. Lebenstag nimmt der Aktivitätsdrang noch weiter zu.



Fotos: P. Finke, LVE

Bei optimalen Brutorten wie beispielsweise einer Scheune oder dem Dachboden eines Kirchturms verlassen sie über Stunden den engeren Brutraum und erkunden ihren unmittelbaren Lebensraum. Ab dem 44. Lebenstag trainieren sie rund zwei Meter weite Flattersprünge.


Gefahren/Schutz

Der Rückgang ist vor allem auf die Intensivierung dieser Kulturtätigkeit und Landnutzung in der jüngsten Geschichte zurückzuführen, die den Lebensraum und die Brutorte der Schleiereule negativ beeinflusst oder vernichtet haben. Insbesondere die moderne Ackerbewirtschaftung hat über die Einschränkung der Lebensräume für Feld- und Wühlmäuse auch indirekt die Lebensräume für Schleiereulen eingeschränkt: Bei den heute verwendeten Anbaumethoden wird das Stroh sehr kurz nach der Ernte von den Feldern geräumt und das Stoppelfeld umgepflügt. Größere Feldmauspopulationen können unter diesen Bedingungen nicht mehr überleben.

Schleiereulen brüten bevorzugt in menschlicher Nähe und nutzen dabei unter anderem Scheunen, Ställe und Kirchtürme. In modernen Stallungsgebäuden wird auf die traditionellen „Uhlenlöcher“ verzichtet; Ortskernsanierungen führten zum Abbruch alter Gebäude mit Schleiereulen-Brutplätzen, und Kirchtürme – früher ein häufiger Brutplatz von Schleiereulen – wurden zunehmend vergittert und sind damit Schleiereulen nicht mehr zugänglich. Vielfach wird über Verschmutzung geklagt. Moderne Glockenläutanlagen sollten vor Eulenkot geschützt werden. Dieses lässt sich jedoch durch Anbringen von Nistkästen direkt an das Einflugloch erreichen.

Wegen der sauberen Trennung von Korn und Stroh durch die modernen Erntetechniken sind die Hausmäuse in landwirtschaftlichen Gebäuden stark zurückgegangen.

Lange Schneewinter dezimieren die Schleiereulenbestände merklich.

In vielen Gebieten haben Schutzmaßnahmen, Bruthilfen und erfolgreiche Wiederansiedlungen zu einer Erholung der Bestände geführt, so dass optimale Schleiereulenhabitate zurzeit wieder gut besiedelt sind.

Schleiereulenkästen sind auch eine gute Hilfe, wenn sie groß genug sind, dass sich die Jungeulen gut auf ihr Leben vorbereiten können. Unsere Kästen werden jedoch oft von Dohlen und Turmfalken angenommen. Die felhlende Einflugstange verhindert Taubenbezug.

Ein Baubeispiel

Ein Schleiereulenkasten misst etwa 100 mal 60 cm in der Länge und Breite sowie 50 cm in der Höhe. Das auf 14 mal 18 cm ausgesägte, versetzte Loch wird hinter einer Sägeöffnung in der Giebelwand der Scheune oder hinter einem Mauerschacht des Kirchturms angebracht. Auch hinter dem Giebel eines Wohnhauses und in den obersten Dämmplatten kann der hermetisch gegen das Gebäudeinnere geschlossene Kasten mitunter montiert werden.

Damit es der nachtaktive Vogel tagsüber in seiner Kunsthöhle dunkel hat, wird ein kürzerer Vorraum hinter dem Einflugloch durch eine Trennwand mit Durchlass vom wesentlich geräumigeren Brutbereich getrennt. Die großen Maße tragen auch dem Heranwachsen der manchmal kinderreichen Brut Rechnung. Die Jungvögel sollten im Kasten Platz haben, um vor dem Ausfliegen wenigstens ihre Brustmuskeln durch Recken und Schlagen der Flügel zu kräftigen.

Der Kastenboden sollte annähernd handhoch mit der Streuschicht bedeckt sein.

Als Eulen- und Falken-Einstreu wird häufig feineres Sägemehl empfohlen. Bleibt dieses an den Dunen der Jungen kleben und ein Altvogel versucht, seinen Sprössling zu säubern, kann er ihn jedoch mit dem scharfen Schnabel verletzen. Wenn dabei Blut fließt, nimmt das Junge für den Elternvogel Beutetönung an und riskiert, getötet und gefressen oder an seine Geschwister verfüttert zu werden. Deshalb ist Rindenmulch aus dem Gartenfachhandel das noch geeignetere Material. Vor dem Einstreuen muss er aber in einem flachen offenen Gefäß trocknen, um im Kasten nicht so feucht zu bleiben wie in der Verpackung.

Der Schleiereulen-Kasten sollte in mindestens drei Metern Höhe angebracht werden, um vor Mardern sicher zu sein. In einer Scheune, die von einer Seite offen ist, kann die Behausung auf einem Tragbalken unter dem Dach stehen. Dann bleibt den Eulen die klassische Einflugsituation. Die noch nicht flüggen Jungen können vom Nistkasten ins Scheunengebälk wechseln und dort ihre Flugfähigkeit zu Ende trainieren.


Schleiereulenkästen werden häufig auch von anderen Vögeln benutzt. Allen voran der Turmfalke. Wir finden ihn immer wieder bei der Kontrolle der Kästen.

Während das Männchen (Terzel) vor dem Kasten wacht, sitzt das Weibchen auf den Eiern und brütet.


Der Kasten in der Koseler Kirche



Von Zeit zu Zeit müssen Schleiereulenkästen gesäubert werden. Dabei erleben die Eulenbetreuer so einiges. Manchmal sind Dohlen im Kasten, oft Turmfalken. Hier in der Kirche Kosel sind es die Dohlen, die den großen Kasten mit 3 Waschkörben voll Ästen und anderes zugebaut haben. Alles muss oben auf einer Leiter stehend entsorgt werden. Eine staubige Arbeit. Unsere Mitarbeiter im Eulenschutz erledigen das beispielgebend. Man beachte, es ist dunkel, hier nur durch den Kamerablitz aufgehellt. Deshalb hat sich bei Joana eine Stirnlampe bewährt.



Schleiereulen brüten wieder auf Schwansen

Wir dokumentieren die erste Brut


Die Schleiereulen waren im Osten von SH nahezu ausgestorben. Schuld waren wohl die Schneewinter 2009/10. Diese Eulenart wandert bei hohen Schneelagen nicht ab, bleibt vor Ort und verhungert. Neuerdings wandern wieder Schleiereulen aus dem Westen des Landes zu.

Foto vom 16.06.2018

Dieses Foto von meiner Mitarbeiterin Joana W. ist für mich ein ganz besonderes Foto. Seit 2016 betreue ich Schleiereulenkästen auf Schwansen, dieses ist die erste Brut, die ich nahe Bohnert/Schlei in einem unserer Kästen gefunden habe. Diese Küken sind 2 bis 10 Tage alt.

Die Küken sind unterschiedlich alt, von flauschig bis gerade geschlüpft. Die Schleiereulen legen ihre Eier im Abstand von etwa 2 Tagen. Da sie schon nach dem ersten gelegten Ei mit der Brut beginnen, schlüpfen die Küken dann auch im Abstand von 2 Tagen. Entsprechend sind die Größenunterschiede.  Die Eltern haben einen ansehnlichen Nahrungsvorrat angelegt. Vielleicht aber auch nur das Ergebnis der letzten Nachtjagd, die Nahrung für den Tag. Kontrolle erfolgte gegen 10 Uhr morgens.

Jeder sieht hier, wie nützlich die Eulen bei der Mäuse- und Rattenbekämpfung sind. Außerdem lassen sich so auch die Beutetiere bestimmen. Die Maus oben im Bild war uns unbekannt. Wahrscheinlich ist es eine Gelbhalsmaus.

Unsere 5 Küken 12 - 20 Tage alt Noch so jung und schon in der Eckernförder Zeitung (;-)

Fotos vom 26.06.2018

Schleiereulenküken 25 und 23 Tage alt. Die Metamorphose beginnt ...

Foto vom 02.07.2018

Foto vom 09.07.2018

Es ist draußen kalt geworden. Ein kühler Nordwind. Die Küken kuscheln zusammen um wenig Wärme zu verlieren.

23.07.18 Schleiereulen. Ein Altvogel mit 3 Küken(?) Ein Küken ist verstorben. Krankheit, Gift, Nahrungsmangel, vieles ist möglich. Wir versuchen es herauszufinden.

29.07. morgens: Ein Altvogel und 2 Küken (?) Von den ursprünglich vorhandenen 5 Küken haben wir eines tot im Kasten gefunden, 2 sind spurlos verschwunden. Die Eulen kamen mir wegen der Hitze und auch kein Futtervorrat etwas apathisch vor. Wir wollen Abhilfe schaffen.

Die Hitze macht den Eulen zu schaffen. Wir haben vorsichtshalber etwas Wasser in einer flachen Schale gereicht und auch ein kleines Eulenmenü bereitet, näheres später.


Feinzerhacktes Rinderherz


Federn von unserem Hühnerhof

Beide Zutaten wurden zerkleinert, gemischt und gewöllegroße Zäpfen geformt.

29.07.18 abemds: Diese Eulen bekamen das Menü und einen Tonuntersetzer mit frischem Wasser. Beides war am nächsten Tag verschwunden und wurde einmal am 30.07. erneuert.

31.07.18: Nur noch ein Küken ist im Kasten. Unser Futter vom Vortage wurde nur noch teilweise genommen. Wir sehen Futtervorrat, 2 Mäuse und eine Schlange. Die Wetterlage hatte sich auch durch 2 Gewitter in den letzten Tagen verändert. Noch immer ist es sehr warm.

Fazit:

  • Ich habe in den letzten 7 Wochen viel über das Schleiereulenleben gelernt.
  • Ich habe die Schleiereulen nicht berührt, immer einen Abstand von 1 m gehalten, ohne Blitz gefilmt oder fotografiert. Die dunklen Bilder wurden später nachgearbeitet.
  • Von den 5 Küken zu Beginn sind 4 erfolgreich aufgezogen worden.
  • Die Eulen hatten morgens Nahrungsvorrat, der von den Eltern nachts herangetragen wurde, abends war er vertilgt. Es ist also nicht egal, wann man die Eulenkästen kontrolliert, wenn man aus dem Nahrungsvorrat Schlüsse ziehen möchte.
  • Wir haben den Eulen ein Mahl bereitet. Was fressen Sie? Mäuse hatte ich nicht, Küken aus der Tiefkühltruhe sind nur bedingt geeignet. Für die Bildung von Gewöllen ist eine Zugabe von Fell oder Federn wichtig. Hier muss man noch einmal nachdenken, denn es kommen bei heißer Witterung sehr schnell Fliegen. Ob Eulen auch die Maden mögen, weiß ich nicht. Ich denke schon.
  • Wir haben Wasser gereicht. Normal ernährte Küken brauchen diese nicht, aber wenn es zu heiß wie in diesem Jahr wird, kann es nichts schaden. Sie haben getrunken (oder nur gebadet?)
  • Im nächsten Jahr ist geplant, an dieser Stelle in Zusammenarbeit mit einer dänischen Schule eine Internet-Kamera zu installieren, auch um klüger zu werden.




Links

Bauanleitung Nistkasten